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23.2. Geldmengentheorie
23.2. (Geldmengen-Begrenzungstheorie)

1.  Eine bestimmte Geldnennwertmenge, z. B. eine Million oder eine Milliarde Dollar, DM, Schilling o. ä. ist nicht mehr zu verändern, weil sich sonst keine richtige, maßgenaue Bewertungsgrundlage für Güter und Leistungen ergeben könnte.
 
2.  Je Bürger sei eine bestimmte Geldnennwertmenge, z. B. 1’000 Einheiten festzusetzen. Jedem Neubürger sei bei Geburt, Zuzug o. ä. diese bestimmte Geldmenge auszufolgen; bei jedem Abgang (Tod, Wegzug o. ä.) sei diese einzuziehen.

Zu 1: Richtig ist, daß die Bewertung aller Güter und Leistungen – Preisbildung – von der Geldmengenseite her beeinflußt und daher durch Geldmengenmanipulationen nicht erschwert oder gar verhindert werden sollte.

Im Sinne dieser Theorie wäre die derzeit umlaufende Geldnennwertmenge nicht mehr zu verändern. Soweit diese Theorien sich auch mit der Steuerfrage beschäftigten (Hückel, Wagner), bejahen sie die von Färber vorgeschlagene «Automatische Geldsteuer» des Geldumtausches bzw. auch der jeweiligen Herstellung der benötigten Steuergeldmenge, die an einem bestimmten Stichtag mit generell gleichem Prozentabzug für alle Geldbesitzer mittels Geldumtausch wieder einzuziehen und (wieder) als Steuergeld verwendet werden soll und so fort.

Es würde sich demnach bei in der Regel steigender Produktivität eine allmähliche Preissenkung, ein allmähliches Steigen der Kaufkraft einstellen. Auch die leistungsgerechte Verteilung des Geldes und damit der Güter würde allmählich und zwangsläufig Platz greifen.

Zu einer Regelstatik des Geldumtausches besteht indes kein Anlaß.

Weil die Geldherstellung zu Steuerzwecken billiger, rationeller und mit weit weniger Störeffekten für die Wirtschaft verbunden ist, ist nicht einzusehen, weshalb an einer starren Geldnennwertmenge festzuhalten sei. Denn eine Vermehrung nur zu Steuerzwecken, also zu einem die Allgemeinheit belastenden Kostenfaktor, hat keinerlei Störeffekt und verursacht dazu noch weit weniger Kosten als ein Geldumtausch. Daß dieser fallweise notwendig oder zweckmäßig sein kann, bleibt davon unberührt.

Zu 2: So scheinbar sinnvoll es noch sein mag, jedem Neu-Erdenbürger oder Neubürger einen gewissen Geldnennwert (auf Kosten der Allgemeinheit) zur Verfügung zu stellen, so lächerlich ist der Vorschlag zum Einzug einer bestimmten Geldmenge bei Abgang eines Bürgers. Was sollte dieser bürokratische Vorgang – falls man eine Zahlungsopfer findet – wohl für volkswirtschaftliche Bedeutung haben?

Den Geldnennwertbegrenzungstheorien liegt die Meinung und Forderung zugrunde, durch Einfrieren der Geldnennwertmenge einen notwendigermaßen unveränderlichen Wertmaßstab für die Bewertung von Arbeit und Arbeitsfrüchten zu erhalten.

Wie bereits erwähnt, ist daran richtig, daß die Preisbildung – dazu gehören auch Löhne als Preise – von der Geldmengenseite her beeinflußt und daher durch Geldmengenmanipulationen nicht erschwert oder gar verhindert werden sollte.

Unrichtig aber ist die Meinung, durch Begrenzung – Einfrieren – der Geldnennwertmenge einen für alle Zeiten unveränderlichen und nur deshalb brauchbaren Maßstab zu erhalten, von dem nach Meinung dieser Theoretiker alles Wohl und Wehe der Volkswirtschaft abhinge.

Dies Theoretiker übersehen, daß die Geldnennwertmenge nicht der einzige Faktor ist, der die Preise bildet. Die anderen Faktoren aber, millionenfach verschieden, sind mehr oder weniger unregelbar. Dazu kommt noch, daß diese Theorien größtenteils als Antwort auf die vielfachen Geldwertschwankungen ohne Kenntnis oder ohne Berücksichtigung der seitherigen monopolistischen legalen Geldfälschungspraktiken der Notenbanken entstanden sind. Mit der Aufdeckung dieser Praktiken ist aber auch die Ursache der unnatürlichen und ungerechten Geldwertschwankungen bloßgelegt. Ihre Beseitigung kann nur in der Beseitigung dieser Ursachen bestehen.

Als Beispiel der mehr oder weniger unbeeinflußbaren Preisbildungsfaktoren nehme man etwa die Kältekatastrophe in den USA im Winter 1976/77. Glauben diese Theoretiker, daß Naturkatastrophen, Epidemien, oder positiv, neue Erfindungen zur Einsparung von Arbeitskraft, den Maßstab für die Bewertung einer Arbeitsstunde weniger verändern als z. B. die Herstellung einer bestimmten Geldmenge zu Steuerzwecken? Oder daß z. B. eine Arbeitsstunde an einer Pipeline in Alaska mit den gleichen Stundenlohndaten gemessen werden könne wie etwa die Arbeit an Rohrleitungen am Sitz einer heimischen Ölraffinerie?

Wer an die Möglichkeit und Notwendigkeit eines errechenbaren, allzeit allgemeingültigen Arbeitswertpreises glaubt, der könnte ebensogut meinen, mit ärztlichen Verschreibungen eine bestimmte, einmal vorhandene körperliche Leistungspotenz unverändert erhalten und außerdem auf alle Leistungen anwenden zu können. Der Wert einer Sache dürfte wohl die einzige Sache sein, für die es kein unveränderliches Wertmaß gibt.*

 

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* Färber: «Der Wert einer Sache bestimmt sich durch seine Eigenschaft, menschliche Bedürfnisse zu befriedigen.» Da «Bedürfnisse» nicht nur ungemein verschieden sind, sondern auch nach Ort und Zeit unterschiedlich…

 

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