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23.3. Geldmengen-
23.3. Manipulationstheorien

Hauptthese: Die (im allgemeinen wachsende) Produktivität der Wirtschaft bedinge eine wachsende Geldnennwertmenge, damit der gleichen Warenmenge immer eine möglichst gleiche Geldmenge gegenüberstehe.

Sinkende Produktivität bedürfe demgemäß einer sinkenden Geldnennwertmenge. Nur dadurch sei ein annähernd gleichbleibender Preisstand (Preisindex) herzustellen. Ein damit gekoppelter «Geldumlaufzwang» garantiere soziale Gerechtigkeit, Krisenfreiheit, Vollbeschäftigung.

Richtiges und Falsches wird in einen Topf geworfen. Über den Unsinn künstlicher Preis-Stabilisierungsmaßnahmen, die jeder dynamischen Lebenserfahrung und Wirklichkeit widersprechen, ist an anderer Stelle (Pos. 20) bereits berichtet worden.

Zudem wollen oder können die Anhänger dieser Theorien bis heute nicht zufriedenstellend sagen, auf welche Weise sie das vermehrte Geld in die Wirtschaft gelangen lassen.

Diese Theoretiker geben zwar zu, daß Einzelpreise weder «stabilisiert» werden können noch sollten. Wie und warum dann aber eine Stabilisierung des sich aus Einzelpreisen bildenden «Indexpreises» möglich oder nötig sein soll, bleibt unerfindlich.

Eine gänzlich andere Bedeutung gewinnt jene «Stabilisierungstheorie» freilich in Verbindung mit der gängigen Geldvermehrungspraxis der Notenbanken für Banken als Kreditgeld, worüber an anderer Stelle (Pos. 20) bereits ausführlich gesprochen wurde. Denn auch die gängige Hochfinanzpraxis bedient sich jener Theorie von der angeblich notwendigen Angleichung der Geldmenge an die vermehrte Gütermenge, wobei diese Geldvermehrung zugunsten von Banken als gott- und naturgegeben angesehen und gläubig hingenommen wird.

Einer der Hauptverantwortlichen für diese «gottgewollte» Art und Lenkung der Geldvermehrung in neuester Zeit ist wahrscheinlich der ökonomische Hohenpriester John M. Keynes. Da die Wirkungen schon seinerzeit zu wünschen übrig ließen, obschon Keynes dies auf «Fehldispositionen der Banken einschließlich der Notenbank, die negative Divergenz zwischen Leih- und natürlichem Zins nicht genügend berücksichtigt zu haben» (Schmölders: «Geschichte der Volkswirtschaftslehre»). Keynes war Nachfolger Silvio Gesells. Gesell und Färber waren Zeitgenossen. Gesell beobachtete die Erscheinungen (Symptome), Färber die Ursachen und Zusammenhange von Geldwertschwankungen und Krisen. Gesell übersah oder ignorierte, daß die besorgniserregende Geldwertschwankungen gerade durch Geldmengenmanipulationen – noch dazu zugunsten von Einzelnen, zum Nachteil der Gesamtheit – hervorgerufen wurden. Demgemäß unterschieden sich Färbers und Gesells Reformvorschläge.

Die fixe Idee Gesells und seiner Jünger, Geld müsse dem Entwertungsverfahren unterworfen werden, weil auch Ware altere und daher einem Angebotszwang unterliege, klingt zwar im Augenblick verblüffend, hält jedoch in keiner Wiese näherer Überlegung stand. Diese Theorie ignoriert die Tatsache gleich haufenweise: Waren altern nicht gleichmäßig und nicht gleichzeitig. Einige werden sogar durch Altern wertvoller! Bei alterungsanfälliger Ware ist dies im Preis einkalkuliert.

Wer, wie Gesell, auf die wirtschaftlichen Triebkräfte von Angebot und Nachfrage baut, sollte auch nicht annehmen, daß Ware ohne zumindest vermutete Nachfrage produziert werde. Dennoch tut dies Gesell und kommt deshalb bezüglich des Geldes zu abstrusen Schlußfolgerungen.

Als Konsequenz dieser Gesell-Ideologie stünde dann die stufenweise Entwertung des GELDES auf der Basis fauler Kartoffeln, saurer Milch, unverkäuflicher Schuhe oder Autos, z. B. «Trabi» [der verblichenen DDR] usw.

Auf eine weitere Auseinandersetzung mit den Thesen Gesells kann hier verzichtet werden, denn aus gegebenem Anlaß erschien 1993 die DOKUMENTATION Gesell/Gesellianer (32 Seiten) über die mehr als 50-jährige Auseinandersetzung mit ihnen. Hier eine Kurzfassung der UNTERSCHIEDE:

Gesells «Schwundgeld» oder demokratisches Geldwesen

Gesellianer suchen Krisenursachen in Preisschwankungen. Dem soll eine Geldvermehrung bei sinkenden und ‑minderung bei steigenden Preisen abhelfen.

Weitere Krisenursachen soll ein angeblich wegen «Geldhortung» stockender Geldumlauf sein. Dem soll eine selbst bei Gesellianern umstrittene «Standgebühr» o. ä. abhelfen. Ausgenommen davon sollen Einlagen in Kreditinstituten sein. (Eine nennenswerte andere «Geldhortung» gibt es heute aber nicht mehr. SPARGELDER werden dort außerdem nicht «gehortet», sondern bis zum dreifachen [heute bis zum fünffachen, die Red.] Zins weiterverborgt. Wie helfen da noch Gesellsche «Reformen»?)

Demokratische (auch «ergokratische») Geldbetrachtung: Preise steigen vor allem durch ständigen Geldneudruck, nach den derzeitigen Geldgesetzen zu Kreditzwecken für Bevorzugte (sogenannte «Geschäftsbanken») und durch ständige Umwandlung von Wirtschaftsgeld zu SPARGELD und dieses zu ZINS-(KREDIT-)GELD.

Unsere demokratische Forderung Neues Geld soll nur zu Steuerzwecken, verteilt an die Gemeinden nach der Bürgerzahl, in Umlauf kommen. (Anstatt des bisherigen bürokratischen Einzugs von Allgemeinsteuern wie Einkommen-, Lohn- und Mehrwertsteuer [und andere indirekte Steuern, die Red.].) SPARGELD soll in den Staatskassen liegen, unverzinst bleiben und während der Verfügbarkeit ebenfalls zu Steuerzwecken dienen.

Die naturgesetzliche Umlaufgeschwindigkeit des Geldes regelt sich durch die Bedürfnisse der Menschen, die individuell notwendige, gewünschte Erwerbszeit, das Einkommen und den 24-Stundentag. Eingriffe wären wirtschaftschaotisierend.

Daß Sie, verehrte Leser, darüber in Gesellschen Publikationen nichts lesen, hat seinen guten Grund: Wer seiner Sache nicht sicher ist oder andere als vorgebliche Absichten verfolgt, greift zu Informations- und Diskussionsunterdrückung.

Die Mittel der Gesell-Publizistik, die Schwachstellen ihrer Krisentheorie seit Jahrzehnten zu verheimlichen, d. h. jeder öffentlichen Auseinandersetzung darüber aus dem Weg zu gehen, kennzeichnen zugleich auch den charakterlichen und geistigen Zustand ihrer Anhänger heute.

 

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