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Die Kredit- und Zinsfrage

in einem reformierten Geld- und Steuersystem

Von Volkswirt Albert Lämmel

Eine große Mehrheit der Menschen hält das heutige Kredit- und Zinssystem zum Funktionieren der Wirtschaft für notwendig. Allerdings bekannte auch eine etwas geringere Mehrheit, sie hätte darüber noch nie ernstlich nachgedacht. Angesichts der ungeheuren Verschuldung in allen Staaten der Welt und den damit einhergehenden riesigen Zinstributen an die gleichen Gläubiger, das Bankensystem, bei gleichzeitig steigender Erwerbslosigkeit stellt sich die Frage, ob das mit rechten Dingen zugehen kann, daß sich die arbeitenden Menschen an eine privilegierte, nicht arbeitende Klasse ausweglos verschulden und zur Zinszahlung verpflichten. Eine Tilgung der Kredite ist in diesem System unmöglich. Laut einer UN-Studie fließen rund 90 Prozent der Welteinkommen in die Taschen von nur 10 Prozent der Weltbevölkerung. Das veranlaßte selbst den Ex-Weltbankpräsidenten Wolfensohn beim Weltbankgipfel am 27.9.2000 in Prag zu der Feststellung: «Mit diesem Geldsystem muß etwas nicht stimmen!» Leider versprach er nicht, das zu ändern.

Was machen die Nutznießer bloß mit dem vielen Geld? Sie wissen es nicht? Wir sagen es Ihnen: Sie leben in Luxushotels auf den Bahamas oder sonstwo mit einem Dutzend Mätressen, mit den schönsten und teuersten Frauen der Welt. Sie werden mit Schmuck – an allen Körperteilen – behangen, bekommen wertvolle Geschenke und allen Luxus dieser Erde. Diese Damen und Herren fahren die teuersten Luxusautos, die oft eigens für sie mit allem erdenklichen Komfort ausgestattet sind, die teuersten Luxusyachten, Schiffe und Flugzeuge. Sie vertilgen täglich Mengen an Kaviar und Champagner, sammeln, kaufen, ersteigern die kostbarsten Kunstschätze der Welt. Sie organisieren Mafiabanden, um noch mehr Geld zu machen, sie organisieren weltweit den Menschenhandel, die Prostitution und den Drogenhandel. Schließlich finanzieren sie VÖLKERKRIEGE, wobei sie – von beiden Seiten – gleich mehrfach absahnen. Und zum Schluß treten sie auch noch als die großen Wohltäter und Sponsoren bei Veranstaltungen für Vereine und Stiftungen auf. Und täglich steigen die Zinstribute, steigt die Massenerwerbslosigkeit. Das Wort zum Sonntag und die Weisheit der Wirtschafts-«Wissenschaft» lautet heute wieder: «Statt Investitionen – Zinstribute!»

In gewissen «Reformkreisen», so z. B. bei den Gesellianern, wird die Kreditfrage meist nur als Zinsfrage behandelt. Wir haben zwar immer die Kreditfrage in den Vordergrund gestellt, aber offenbar nicht ausreichend erklärt, so daß die Zweifel über das (bessere) funktionieren einer Wirtschaft ohne Kredit und Zinsen noch überwiegen. Allerdings ist zu bedenken, daß die Mehrzahl der Zweifler durch überlieferte Desinformation auf diesem Gebiet schon mit Vorurteilen an diese Frage herangeht und deswegen auch kaum die vorliegende Reformliteratur kennt oder lesen will. Deshalb scheint es uns notwendig, das organisch richtige funktionieren einer kredit- und zinsfreien Ordnung nun ausreichend darzustellen.

Zwar erzwingen allein schon die vielfach unerkannten, verschwiegenen, teils sogar geleugneten, unerklärlichen, ungeheuerlichen, kulturzerstörenden Nebenwirkungen die Abkehr von Kredit und Zins. Prof. Dr. Gustav Ruhland (1860–1914) hat das ja in seinem Hauptwerk «System der politischen Ökonomie» schon überzeugend nachgewiesen. Aber welche Zweifler und Kritiker lesen das schon?

Bedenkt man zudem, welche ungeheure Macht die Nutznießer des Geldkredit- und Zinssystems ausüben und damit, soweit ihnen nur möglich, Aufklärung verhindern und Desinformation fördern! Wann hätte je ein Reformwissenschaftler irgendeinen Sach- und Literaturpreis erhalten?

Gerhoch Reisegger, «Schlüssel»-Herausgeber, meint zwar, der springende Punkt vor der Kreditfrage sei tatsächlich die Zinsfrage, weil die «exponentielle Vermehrung des Zinses» in einer endlichen Welt unmöglich sei. Ebenso unmöglich ist aber auch eine «exponentielle Vermehrung der Kredite!» Und Kredit ist nun einmal (in der Regel) die Mutter des Zinses.

Also steht für Geldreformer wissenschaftlich die Lösung der Kredit- mit der Zinsfrage im Vordergrund. Diese Lösung zeigen wir, gestützt auf Vordenker, seit über 50 Jahren auf. Obwohl es schon in unserem PROGRAMMENTWURF von 1955 und bisher unverändert heißt: «Künftige Finanzierung neuer Betriebe oder deren Vergrößerung kann vorwiegend nur aus Ersparnissen, erwirtschafteten Erträgen oder, wie auch heute, von Anteilseignern (Aktionären) kommen, die dabei, grundlegend anders als bei Kreditgebern, Gewinn und Verlust des Unternehmens mittragen.»

Das hat aber offenbar nicht genügt, Zweifler und Kritiker vom reibungslosen Funktionieren einer kredit- und zinsfreien Wirtschaft zu überzeugen. Deshalb sei auch auf andere Beispiele, wie in unserer Literatur ausreichend erwähnt, hingewiesen. So ist es etwa in der Bauwirtschaft durchaus üblich, Zahlungen «nach Baufortschritt» zu vereinbaren. Oder z. B. mit Vorauszahlungen. So ist nach den Plänen Gottfried Feders beispielgebend das Volkswagenwerk durch Abzahlung auf die Kaufsumme ohne einen Pfennig Kredit und Zinsen und dadurch der «VW» so preiswert entstanden! Ja, die ganze Volkswirtschaft in der NS-Zeit war mehr oder weniger auf Kredit- und Zinslosigkeit aufgebaut. Und wer wollte behaupten, sie hätte nicht funktioniert, da sie doch einer Welt von Feinden standgehalten hat.

Es handelt sich also bei Zweiflern und Fragern meist um ungenügende Aufklärung (mangelndes Wissen), um mangelnde Vorstellungskraft, ja um mangelnden Hausverstand, zwischen gut und schlecht unterscheiden zu können. So besuchten im Jahre 1932 aufgrund Färbers Schrift «Die Irrlehre Silvio Gesells» Anhänger dieser Schwundgeldthesen, den Schöpfer der Ergokratischen Volkswirtschaftslehre, Heinrich Färber, in Wien. Färber schrieb danach: «Nachdem die Gesellianer meine Bedenken gegen das ‹Schwundgeld› nicht mehr ausräumen und gegen die Ergokratische Lehre keine Einwände mehr vorbringen konnten, sagten sie, sie könnten sich dennoch eine Wirtschaft ohne Kredit nicht vorstellen.» Färbers Antwort: «Dann muß es wohl an Ihrer Vorstellungskraft liegen!»

Von 1150 – 1450 gab es die sogenannten «Brakteaten», von Erzbischof Wichmann, Magdeburg, herausgegebene, regelmäßig umgetauschte, dabei vermehrte «Dünnpfennige». Es gab keine Kredite und daher auch keine Zinszahlungen. Es war der längste ununterbrochene wirtschaftliche Aufstieg Europas. Das wäre heute in dieser Form nicht mehr praktikabel, wäre auch durch neuere Erkenntnisse abzulösen, aber es beweist eindeutig die Entbehrlichkeit von Kredit und Zins! Kleine und «große» Politiker in aller Welt, die davon keine Ahnung haben oder keine grundlegende Änderung des Geld- und Steuersystems wollen, sind allesamt Roßtäuscher, Scharlatane, Betrüger.

Und die Nationalen? Die willigen Mitläufer spenden und spenden, wählten Agenten als Führung, die den Wischiwaschi-Kurs bestimmen und die Reformer unerwähnt bleiben, daß sie nicht irgendwo im Namen der Partei sprechen können, daß politische Nullen gefördert werden. Und die nationale «Intelligenzija», die «Gestrigen von Morgen»? Sie lesen nur, was sie selbst geschrieben haben und vermissen dann «bahnbrechende Ideen».

Es ist weiter eine unbestreitbare Tatsache und Binsenwahrheit: Wer mit Kreditgeld am Markt auftritt, kauft denjenigen die Waren/Leistungen weg, die sie mit durch Leistung erworbenem Geld nun nicht mehr erwerben können. Dies muß natürlich bei fortgesetzter Kreditwirtschaft zu den heute bekannten Preissteigerungen sowie zur totalen Wettbewerbsverzögerung führen. Das ist die (ergokratische) Lehre von der «Leistungsgerechtigkeit», die sich in keiner anderen Volkswirtschaftslehre findet.

Zwei politische Parteien in Deutschland haben eine Reform des Währungs- und Steuersystems im Visier: Die NATIONALDEMOKRATISCHE PARTEI DEUTSCHLANDS (NPD) und die BÜRGER RECHTSBEWEGUNG SOLIDARITÄT (BÜSO), die auf internationale Lösungen setzt.

Das Zinsverbot des ISLAMS lehnen wir als untauglich ab. Zudem löst es auch nicht die Kreditfrage.

Es gibt natürlich auch verrückte Vorschläge zur Überwindung der verheerenden Folgen der Kredit- und Zinswirtschaft.

So z. B. Rudolf Steiner-Anhänger, die, in totaler Verkennung seiner Thesen, einen Rechtsanspruch auf Kredite aus der Staats- (Steuer-)Kasse fordern (Prof. Schmundt, Wilfried Heldt).

Vorschläge wie z. B. den Wegfall des Rechtsschutzes für Kreditrückforderungen haben wir zurückgestellt. Wer wollte einem kreditgebundenen Freund die Rückforderung des Kredits verwehren?

Hierher gehört natürlich auch die Feststellung, daß eine nicht auf allgemeine Leistungsgerechtigkeit abzielende Volkswirtschaftslehre als unsittlich und untragbar von vorneherein abzulehnen ist. Wir glauben, daß mit dem Ende der gewerblichen Möglichkeit der Kreditvergabe der erste große Schritt in eine freiheitliche und soziale Wirtschaftsordnung getan ist.

Weiteres sei der Entwicklung und weiteren Erkenntnissen vorbehalten.

 

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